Was sagt Thomann zu EU-Anpassungen im Widerrufsrecht und zu Kulanz


Foto: Thomann

Das Widerrufsrecht soll nach Plänen der EU angepasst werden. Zu diesem Thema führte Walter Wehrhan, Chefredaktion MUSICAL MERCHANT, ein kurzes Interview mit Hans Thomann, CEO Musikhaus Thomann.

 

Die EU hat vor, das Widerrufsrecht anzupassen. Unter anderem sollen Händler die Rückzahlung des Kaufpreises bis zum Wareneingang verweigern können. Zum anderen muss zurückgesendete Ware nicht mehr in jedem Fall akzeptiert werden. Wie steht der weltgrößte Versender von Musik-Equipment dazu?

 

Hans Thomann: Wir wissen, dass es Überlegungen zur Anpassung des Widerrufsrechts in der EU gibt. Eine Reihe von großen Online-Händlern hat sich über missbräuchliche Auslegungen des Widerrufsrechts seitens der Kunden beschwert – wir gehörten im Übrigen nicht dazu. Allerdings liegen uns noch keine konkreten Formulierungen vor, so dass wir uns dazu mit einer Stellungnahme zurückhalten müssen. Aber nicht nur das Widerrufsrecht ist Thema, mit zahlreichen weiteren Gesetzen und Verordnungen müssen wir uns als Online-Händler beschäftigen. Die DSGVO haben wir gerade hinter uns gebracht und ab 1. Januar 2019 gilt das neue Verpackungsgesetz VerpackG, das die Verpackungsverordnung VerpackV ablöst. Mit dem neuen Verpackungsgesetz kommen zahlreiche Registrierungsformalitäten und neue Richtlinien auf uns zu.

 

Zurück zum Widerrufsrecht: Bei Durchsicht des mannigfaltigen Thomann-Angebots von ca. 95.000 Artikeln bei über 10 Mio. Kunden fällt auf, dass Angebote von sogenannter „B-Ware“, respektive das Angebot der zurückgeschickten Ware, relativ gering sind. Wie hoch ist ungefähr die Rücklaufquote bei Thomann?

 

Hans Thomann: Wir liegen bei ca. 10 Prozent Rücksendungen. Das bedeutet bei unserer immens hohen Anzahl an Aussendungen zwar schon eine Hausnummer, aber es gibt andere Branchen, die wesentlich gebeutelter sind. In der Textilbranche existieren bei einigen Online-Händlern zum Beispiel Rücklaufquoten von 60 Prozent und mehr. Ich sage zum Online-Business der Textilbranche oft scherzhaft: „10 bestellt, 12 zurückgeschickt…“

 

Thomann war permanent Vorreiter in punkto Geschäftsabwicklung, zum Beispiel „3 Jahre Thomann Garantie“ oder „30 Tage Money Back-Garantie“. Wie sieht Eure Kulanz aus?

 

Hans Thomann: In der Regel streiten wir uns nicht mit den Kunden um die zurück geschickte Ware. Wenn jemand fünf Effektgeräte bestellt hat, vier zurück schickt, dann ist es okay. Dann haben die vier einfach nicht gepasst. Oder es werden drei hochwertige Gitarren geordert und diese ohne Gebrauchsspuren retourniert. Da wollte sich wohl jemand einen langgehegten Traum erfüllen und diese Instrumente spielen. Dass keine Gebrauchsspuren zu finden waren, zeigte auch, dass dieser Kunde äußerst sorgfältig und ehrfürchtig mit diesen Instrumenten umgegangen ist. Es gibt allerdings Fälle, bei denen wir tätig werden. Ein Beispiel: Wir erhielten eine Bestellung über eine komplette mobile PA-Anlage inklusive Wireless-System und digitalem Mischpult. Nach 14 Tagen kam die komplette Bestellung mit erheblichen Gebrauchsspuren, verdreckt und defekten Teilen zurück. Ergo: Da hat sich eine Band gedacht, eine Anlage für ihre Tour zu besorgen – für umme. Das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen. Das schädigt nicht nur uns als Händler, sondern richtet sich auch gegen den Rental-Markt.

 

Hans, vielen Dank für das Interview.

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