10 Fragen an den Entwickler des neuen Hughes & Kettner Akustikamps era 1 Michael Eisenmann


Michael Eisenmann

 

Hughes & Kettner ist immer wieder für Überraschungen gut. In der über 30-jährigen Geschichte hat es stets Produkte gegeben, die aufhorchen ließen: Ob Cream Machine, Red Box, Triamp, Tube Master, Rotosphere, Tubemeister und noch vieles mehr – es waren fast immer Geräte für E-Gitarristen. Mit dem era 1 kommt ein Produkt für eine neue Zielgruppe auf den Markt: Ein Akustik-Gitarren-Verstärker mit Digital Vorstufe und Class-D-Endstufe.

Für Gitarre & Bass führte Dieter Roesberg ein Interview mit Michael Eisenmann und Stefan Fischer. Hier ein kleiner Auszug aus dem Gespräch.

 

Michael, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Hughes & Kettner?

Ich habe über 20 Jahre lang für AER gearbeitet. Dann habe ich die Firma 2011 aus privaten Gründen verlassen. Danach habe ich mich als Consultant selbstständig gemacht und habe nach Partnern für meine Akustik-Verstärker-Leidenschaft gesucht.

Spielst du selber Gitarre?

Nein. Aber ich habe das Instrument bei meiner Arbeit kennengelernt. Ich war ja eher auf der reproduzierenden Seite: PA-Verleih und Beschallungstechnik. Und dann habe ich die Instrumente kennenglernt, auch akustische, und das hat auf mich einen großen Reiz ausgeübt. Daraus ist die Idee entstanden, einen Gitarren-Verstärker für akustische Instrumente zu entwickeln.

Braucht ein Akustik-Gitarrist eigentlich einen heute noch einen Akustik-Verstärker?

Eigentlich braucht ihn keiner. Denn er ist ja völlig glücklich mit seinem Instrument. Er braucht ihn erst, wenn die akustische Leistung nicht mehr ausreicht. Er braucht ihn nicht zum Sounddesign wie ein E-Gitarrist. Aber wenn die natürliche Lautstärke nicht ausreicht, dann muss er sich halt verstärken. Da fängt unser Job an. Wir sind das zweite Glied in der Kette. Diesen Job muss man machen. Und den macht man, indem man ihm ein einfach zu bedienendes Gerät hinstellt. Plug in and play. Flat einstellen, einstecken und los geht es.

Hughes & Kettner Akustikamps era 1

Wie bist du mit Hughes & Kettner zusammen gekommen?

Nachdem ich AER verlassen hatte, habe ich Partner gesucht, um weiter Akustik-Amps zu bauen. Ein Bekannter in der PR-Branche hat mir den Kontakt zu Stefan Fischer von Hughes & Kettner gelegt, den ich Jahre zuvor schon auf der Tonmeistertagung kennengelernt hatte. Für mich war es auch besonders reizvoll, einen Akustik-Amp für eine Rock-’n’-Roll-Company zu entwickeln.

Was unterscheidet den era 1 von anderen Akustik-Amps?

Die Dynamik, die wir deutlich verbessern konnten. Und es ist nicht nur eine digitale Endstufe drin, sondern es gibt auch digitale Signalverarbeitung. Das gestattet uns natürlich eine völlig andere und sehr komfortable Art des Equalizings.

Es gibt sicher Musiker, die sagen: Das brauche ich nicht. Was würdest du dem sagen, warum er den era benutzen soll?

ME: Mit dem era 1 bist du näher an der Quelle und hörst den Original-Sound. Beim Monitor ist ja jede Menge dazwischen. Der Monitor ist zur Feedbackvermeidung mit Equalizern bearbeitet, und so hat das ja nicht zwingend was mit dem Originalsound zu tun.

Welche Vorteile haben die DSP-Eigenschaften?

Weil das Equalizing und das Limiting, also das Schützen des Lautsprechers so komfortabel und hochwertig geht, kann eine geschlossenen Box verwendet werden.

Was ist bei der Entwicklung wichtiger. Das technische Know-how oder das Ohr?

Beides. Ich sage dir mal, wie das funktioniert. Schaltung entwickeln, Engineering machen, Messen, am Ende des Tages kommt das Ohr, der Musiker. Das sind Welten. Es ist nach wie vor so, dass man nicht alles das messen kann, was man hören kann, und umgekehrt. Also abstimmen, feintunen, und dann nochmal mit Musikern hören.

Du bist also das Interface zwischen Technik und Ohr. Ein Entwickler muss auch nicht unbedingt ein guter Musiker sein.

Du musst zuhören können. Ich glaube, als Entwickler muss man den technischen Hintergrund kennen, wie funktioniert Wahrnehmung und wie funktioniert das Musizieren. Eine herrliche Symbiose. Ich bin froh, dass das bei Hughes & Kettner auch so kultiviert wird.

Warum ein DSP-Preamp mit digitalen Effekten?

Der Musiker soll mehr oder weniger simpel live in einer Situation einfach per try und error ausprobieren und schnell zum Ergebnis kommen. Er hat auf diese Art und Weise ein mächtiges Werkzeug, wofür er aber keine Führerschein-Prüfung ablegen muss.

 

Text: Dieter Roesberg

 

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