Deutsche Kultur- und Musikrat fordern Kulturinfrastrukturfonds


band bühne festival

Mit dem beispiellos rasch beschlossenen Hilfspaket der Bundesregierung zu Beginn der Coronakrise und den unterschiedlichen Hilfsmaßnahmen der Länder wurden erste Überbrückungshilfen für das Kulturleben geleistet. Die Umfrage des Deutschen Musikrates und die Positionspapiere etlicher seiner Mitglieder in der Coronakrise zeigen jedoch deutlich, dass es nicht nur für Soloselbständige Nachsteuerungsbedarfe gibt, sondern auch für die musikkulturelle Infrastruktur. Das gilt für die Musikwirtschaft, das bürgerschaftliche Engagement in Musikvereinen und die freien Ensembles ebenso wie für bildungskulturelle Einrichtungen.  

Hierzu Prof. Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates: „Das Musikleben Deutschlands ist einzigartig in seiner Vielfalt. Doch diese Vielfalt macht auch die aktuelle Krisensituation einzigartig komplex. Gefordert sind jetzt passgenaue Lösungen, um die Festivallandschaft und die Ensembles der freien Szene ebenso über diese Krisenzeit hinwegzuretten wie den Techno-Club, den Musik-Verlag, die Landesmusikakademien oder den Amateur-Chor. Musikmacher und Musikermöglicher sitzen in einem Boot. Um das Musikleben vor einem Absterben zu bewahren, bedarf es eines Strukturhilfefonds. Gerade in dieser Situation darf die Kultur nicht als schwächstes Glied in der Wirtschaftskette verloren gehen: Denn sie ist kreativer Ausdruck der Gesellschaft, spiegelt deren Geschichte und verbindet die Menschen – auch in der Krise. Der Deutsche Musikrat unterstützt den im Deutschen Kulturrat diskutierten Kulturinfrastrukturfonds, sofern dieser die musikalische Infrastruktur vollumfänglich berücksichtigt. “

Freie Ensembles, Festivals, Musikschulen oder auch die Amateurmusik-Szene können aufgrund ihrer zumeist gemeinnützigen Struktur keine Rücklagen bilden. Zudem sind in diesem Sektor die Gewinnmargen in der Regel so niedrig, dass die Rückzahlung von Corona-Krediten in dieser Branche auch mittel- und langfristig unmöglich ist. Die Zuschüsse durch Soforthilfen andererseits sind oftmals nur als kurzfristige Überbrückungshilfe geeignet, wohingegen sich die Defizite durch ausgefallene Konzerte und Rückabwicklung ganzer Festivals für Veranstalter schnell drastisch und existenzbedrohend summieren.

Der deutsche Kulturrat forderte bereits nde März die Einrichtung eines Kulturinfrastrukturfonds. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte dazu: „Erste Maßnahmen zur Unterstützung des Kulturbereiches haben die Bundesregierung und die Länder auf den Weg gebracht. Sie reichen aber bei weitem nicht aus. Wir schlagen deshalb als dringende weitere Unterstützungsmaßnahmen vor, einen nationalen Kulturinfrastrukturförderfonds einzurichten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden noch lange zu spüren sein. Wir brauchen deshalb eine funktionierende kulturelle Infrastruktur, damit auch in der Zukunft Aufträge an Künstler vergeben werden können und Kulturorte erhalten bleiben. Die Kultur kann Antworten auf die durch die Krise ausgelösten gesellschaftlichen Verwerfungen geben. Jetzt muss die Bundeskultur groß denken und die notwendigen Mittel für einen nationalen Kulturinfrastrukturförderfonds aus dem Notfalltopf der Bundesregierung abfordern. Kultur ist gerade in der Krise Lebensmittel.“

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