Deutscher Musikinstrumentenpreis 2018 geht an Steffen Friedel und die Fa. Gebrüder Mönnig


Die Digitalisierung mag auch in der Musikindustrie eines der Topthemen sein. Wenn es aber um Innovation und Spielfreude geht, bleibt der Mensch das Maß der Dinge: Der Deutsche Musikinstrumentenpreis 2018 geht an die Wappenbratsche von Steffen Friedel Streichinstrumentenbau und an die Oboe Modell 155 AM der Gebrüder Mönnig Holzblasinstrumente GmbH. In beiden Fällen entschied das Urteil der Testmusiker. Sie hoben unter anderem die herausragenden klanglichen Eigenschaften, die besondere Gestaltung und die Bespielbarkeit der handgefertigten Instrumente hervor.

Der Deutsche Musikinstrumentenpreis wird anlässlich der Frankfurter Musikmesse (11. bis 14. April 2018) zum 28sten Mal vergeben. In diesem internationalen Rahmen macht der Wettbewerb auf herausragende Produkte aus deutscher Fertigung aufmerksam. Besondere Beachtung verdienen in diesem Jahr dabei nicht nur die Instrumente selbst, sondern auch deren Macher, die mit ihrem Mut und Innovationswillen positive Signale in die Branche setzen. Die feierliche Preisverleihung findet am 13. April 2018 in der Rotunde der Festhalle Frankfurt für geladene Gäste statt.

Mutiges Design: Wappenbratsche, Streichinstrumentenbau Steffen Friedel, Dresden

Wappenbratsche, Streichinstrumentenbau Steffen Friedel,

Schon auf den ersten Blick fällt die Wappenbratsche von Steffen Friedel durch ihre extravagante Gestaltung auf. Diese orientiert sich an der Form der f-Löcher einer Campanula von H. Bleffert sowie dem Wirbelkastenkopf der Dancing Masters Violine „Gillott“ 1720 von A. Stradivari. Wie das Design gefielen auch die weiteren Eigenschaften des Instruments: Sowohl die Spielbarkeit als auch die Ansprache überzeugten die Testmusiker in allen Belangen. Ihre Bestbewertungen gaben sie unter anderem für den offenen Klang, das Klangvolumen und die Variabilität. Insgesamt beschrieben die Juroren die Wappenbratsche als innovativ und gefällig. Die zweitbeste Bewertung innerhalb der objektiven Tests und der vierte Rang in der fertigungstechnischen Begutachtung ergänzten die sehr positiven Meinungen.

Ähnlich außergewöhnlich wie das Instrument ist auch die Vita des Preisträgers Steffen Friedel. Bevor dieser sich der Musik verschrieb, arbeitete er als Mechaniker in der Metallindustrie sowie als Geologietechniker für Hydrogeologie. 2009 folgte er seiner Berufung und begann seine Ausbildung im Geigenbau. 2010 machte er sich als Einzelunternehmer selbstständig, absolvierte 2016 den Bachelor „Streichinstrumentenbau“ und erwarb Anfang 2018 den Meisterbrief im Geigenbauerhandwerk. Steffen Friedel fertigt Geigen, Bratschen und Celli in traditioneller italienischer Bauweise. Sein Werdegang sowie der Mut zu diesem außergewöhnlichen Instrument zeugen von Begeisterungsfähigkeit und dem Mut zu neuen Wegen.

Die Wappenbratsche (Korpuslänge: 415 mm) setzt sich aus hochwertiger tiroler Fichte für die Decke und bosnischem Ahorn für den Boden zusammen. Zargen und Hals entsprechen dem klassischen Geigenbau. Abrundung findet das Instrument durch eine Lackierung mit Leinöllack auf Grundlage von Dammar und Kopal.

 

Oboe Modell 155 AM, Gebrüder Mönnig Holzblasinstrumente GmbH, Markneukirchen

Oboe Modell 155 AM

Auch in der Kategorie Oboe zeigte sich das menschliche Urteil als ausschlaggebend: Nahezu übereinstimmend bestimmen die Testmusiker das Modell 155 AM der Gebrüder Mönnig als ihren Favoriten. Insbesondere hoben sie die Klangfarbe der tiefen Lage, das Klangvolumen über den gesamten Spielbereich sowie die Ansprache als sehr gelungen hervor. Begeisterung zeigten sie auch in allen Belangen der Spielbarkeit. Im Bewertungsblock Stimmung erreichte das Modell 155 AM die besten Bewertungen des Wettbewerbs. Der sehr gute zweite Rang in der handwerklichen Begutachtung sowie ein dritter Platz in der objektiven Bewertung unterstreichen das positive Gesamtbild des Instrumentes.

Die Oboe Modell 155 AM steht sinnbildlich für die glanzvolle Wiederauferstehung einer Marke: Die Wurzeln der Firma reichen zurück bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts. Bis in die 1950er Jahre hinein galt der Hersteller im Oboenbau weltweit als Nr. eins und auch seine Fagotte und Klarinetten hatten ihren festen Platz in den großen Orchestern der Welt. Die Zeit nach 1945 sowie die darauffolgende Verstaatlichung brachten eine Stagnationsphase mit erheblichen Imageverlusten. Nach 1990 wurde die verlorene Position erst langsam zurückerobert. Den Durchbruch brachten zehn Jahre später strategische Entscheidungen wie die Modernisierung der Fertigungscharakteristik und die Optimierung der Qualitätssicherung. Heute etablieren sich die handgefertigten Instrumente der Gebrüder Mönnig wieder in den internationalen Spitzenorchestern und gelangen zum einstigen Ruhm zurück.

Die Oboe Modell 155 AM besteht aus naturbelassenem polierten Grenadill mit vergoldeten mechaniktragenden Teilen und ist nahezu komplett mit silikonbeschichteten Korkpolstern ausgestattet. Die Stellschrauben sind alle in Nirosta ausgeführt, teilweise mit Tefloneinsatz.

 

Deutsche Musikinstrumentenpreis 2019: Anmeldung bis zum 20. April 2018

2019 wird der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gestiftete Deutsche Musikinstrumentenpreis in den Kategorien

# Stahlsaitengitarre (Flattop, 6 Saiten)

# b-Trompete (Perinet-Ventil)

aus den Produktgruppen Zupfinstrumente und Metallblasinstrumente ausgerufen.

An dem Wettbewerb können alle Hersteller von Musikinstrumenten in der Bundesrepublik Deutschland teilnehmen, deren Instrumente im Handel oder im Direktverkauf angeboten werden (ausgenommen Unikate). Ziel des Awards ist es, die internationale Aufmerksamkeit auf deutsche Anbieter zu lenken und deren Marktchancen zu steigern. Die Gewinner erhalten dafür nicht nur Medaille und Urkunde, sondern sind eingeladen, mit dem Label des Preises zu werben. Darüber hinaus werden die prämierten Instrumente auf der Frankfurter Musikmesse ausgestellt.

Der Einsendeschluss für die schriftliche Anmeldung ist der 20. April 2018. Die Einreichung der Instrumente erfolgt im August 2018. Weitere Informationen unter: www.bmwi.de

 

Hier finden Sie die Gewinner von 1991 bis 2018

 

 

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