Exklusive Details: Michael Biwer über die Musikmesse & Prolight + Sound 2017 4


musikmesse 2017

Am 11. Juli ließ die Messe Frankfurt verlauten, dass Michael Biwer künftig das Key Account Management und die strategische Konzeption der Prolight + Sound und der Musikmesse verantworten wird. Der bis dato für die Musikmesse-Verantwortliche Wolfgang Lücke übernimmt die Leitung der neugeschaffenen Abteilung Special Events & Entertainment.

Was wird sich bei den kommenden Messen – neben der personellen Umbesetzung – noch ändern? Datum, Raumakustik, Konzept – wir haben Michael Biwer zu Details der Musikmesse und Prolight + Sound 2017 befragt.

Michael Biewer

Michael Biwer ist seit 2004 bei der Messe Frankfurt in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2008 im Team der Prolight + Sound. Seit 2010 leitet Der diplomierte Betriebswirt die PLS.

Das neue Konzept der beiden Messen sieht eine zeitliche Überschneidung vor – und nun auch, mit Ihnen, eine personelle. Welche Synergien versprechen Sie sich daraus?

 

Die personellen Überschneidungen beziehen sich nicht nur auf die gemeinsame Leitung der Messen, sondern auf die gesamte Organisationsstruktur. So haben wir sämtliche vertrieblichen Aktivitäten rund um Musikmesse und Prolight + Sound in der neuen Abteilung Sales & Planning zusammengeführt.

Viele Marken der MI-Industrie legen Wert darauf, sich am gleichen Ort zu präsentieren wie die Unternehmen der Veranstaltungstechnik und vice versa. Zudem sind einige Firmen auf beiden Messen vertreten, vor allem im Audio-Bereich. Gleichzeitig stellen die vertretenen Branchen aber auch abweichende Anforderungen an Musikmesse und Prolight + Sound – und eine strategische Entscheidung zur einen Messe hat auch immer Auswirkungen auf die Schwesterveranstaltung im Messe-Duo. Interessen müssen daher stets sorgsam abgewogen werden. Auch aus diesem Grund erscheint es sinnvoll, die Kompetenzen in der Leitung und im Team optimal zu verzahnen.

 

Steht bereits fest, welche Tage für das Publikum geöffnet sein werden?

 

Grundsätzlich gibt es keine speziellen Bedingungen für den Kauf eines Musikmesse-Tickets. Besonders an den ersten beiden Tagen liegt der Fokus jedoch klar darauf, die wichtige Zielgruppe des internationalen Fachhandels zu aktivieren – dies wird sich vor allem im Rahmenprogramm widerspiegeln, wo wir auf zugkräftige Seminare und Workshops, Matchmaking-Angebote sowie VIP-Veranstaltungen für qualifizierte MI-Händler setzen.

Am Freitag integrieren wir darüber hinaus verstärkt Angebote für Musikschüler und Bildungseinrichtungen. Am Samstag liegt der Schwerpunkt vor allem auf Events und Emotionen – hier erwartet die Besucher ein besonders breites Programm an musikalischen Highlights.

 

Viele Aussteller der Prolight+Sound waren gerade über die zeitliche Entzerrung glücklich, da sich dies auf diesem Produktfeld positiv auf die Besucherqualität ausgewirkt hat. Wie machen Sie diesen die neuen Messezeiten schmackhaft?

 

Es ist völlig normal, dass konzeptionelle Entscheidungen zu einer Veranstaltung unterschiedlich diskutiert werden. Breite Zustimmung gab es in diesem Jahr für die spätere Öffnung der Messe um 10 Uhr – so waren die Hallen bereits unmittelbar nach Messestart gut gefüllt und Aussteller sowie Besucher konnten bei der Anreise die Hauptverkehrszeiten umgehen.

Die zusätzliche Stunde von 18 bis 19 Uhr brachte jedoch nicht den gewünschten Mehrwert – in Abstimmung mit den Branchenakteuren haben wir hier nachjustiert, sodass beide Messen 2017 von 10 bis 18 Uhr geöffnet sind. Zudem hat sich in unseren Befragungen eine Mehrheit der Firmen und Besucher beider Veranstaltungen für eine größere zeitliche Überschneidung der Messen ausgesprochen.

Mit der neuen Tagesfolge – Musikmesse von Mittwoch bis Samstag, Prolight + Sound von Dienstag bis Freitag – kommen wir diesem Wunsch nach. Gleichzeitig halten wir an der positiv aufgenommene Maßnahme, die Prolight + Sound an vier Werktagen zu öffnen, weiter fest.

Wir sind überzeugt, mit dieser Entscheidung die bestmögliche Lösung für die vertretenen Branchen getroffen zu haben – werden aber selbstverständlich weiterhin zuhören und das Feedback der Messeteilnehmer berücksichtigen.

 

Weiter empfinden viele Musikalien-Hersteller die zeitliche Nähe zur NAMM als ungünstig. Haben Sie über eine Verlegung in den Herbst nachgedacht, oder gibt es andere geplante Maßnahmen für eine Abgrenzung?

 

Oberstes Ziel unseres Handelns ist es, der Branche eine Plattform zur Verfügung zu stellen, die sich eng an den Ansprüchen der Aussteller und Besucher orientiert. Daher führen wir regelmäßig Umfragen zu den wichtigsten Messeparametern durch – darunter auch zur Terminierung der Messen im Kalenderjahr.

Hier haben wir seit Jahren eine hohe Zustimmung für den Messetermin im April zurückgespielt bekommen.

Selbstverständlich nehmen wir den von Ihnen genannten Kritikpunkt dennoch sehr ernst: Eine Musikmesse oder eine Prolight + Sound im März, wie zuletzt 2014, wird es daher nicht mehr geben.

 

Das erweiterte Vortragsprogramm der Eventplaza wurde im letzten Jahr schon gut angenommen. Gibt es hier schon Ideen, dieses noch tiefer auszubauen?

 

Auch wir freuen uns über das positive Feedback zu den Vorträgen auf der Prolight + Sound. Das betrifft auch die Seminare zum Thema Nachwuchsförderung und Personalentwicklung, die im Rahmen des „Future Talents Day“ am neuen Messedienstag stattfanden. In dieses Thema werden wir auch für das kommende Jahr weiter investieren.

Aktuell prüfen wir, inwiefern eine weitere Internationalisierung der Seminarinhalte gewünscht und umsetzbar ist – etwa durch Simultanübersetzungen oder mehr englischsprachige Vorträge. Die weiteren Schwerpunkte für 2017 legen wir in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam mit einem Fachgremium aus Experten der Branche fest.

 

Gibt es bereits Pläne, den von vielen bemängelten Lärm in Halle 8 und 11 in den Griff zu bekommen?

 

Bereits zur kommenden Veranstaltung werden wir Maßnahmen umsetzen, um die Lautstärke in den Hallen zu reduzieren. Dafür arbeiten wir auch mit Spezialisten aus dem Akustikbereich zusammen.

Gleichzeitig appellieren wir auch an die Aussteller, zu einer Business-freundlichen Atmosphäre beizutragen – bei gravierenden Verstößen gegen die Lautstärkevorschriften an einzelnen Ständen werden wir daher, zum Wohle der Aussteller und der Besucher, verstärkt eingreifen.

 

Gibt es neue Konzepte und Planungen für den Drums- und Percussion-Bereich? Sollten die beiden Bereiche räumlich nicht besser zusammengelegt werden?

 

Das Spektrum der Schlaginstrumente, die es auf der Musikmesse zu erleben gibt, ist breit gefächert. Wir möchten den Ausstellern die Möglichkeit geben, sich im für sie bestmöglich passenden musikalischen Kontext zu präsentieren. Daher können Hersteller im Percussion-Bereich sowohl in der Halle 8.0 (gemeinsam mit akustischen Instrumenten) als auch in Halle 11.0 (gemeinsam mit Drums und Gitarren) vertreten sein. Die Entscheidung über die gewünschte Platzierung steht dem Aussteller frei – selbstverständlich beraten wir gern und geben eine Empfehlung auf Grundlage unserer Erfahrungen ab.

V.l.n.r.: Stephan Kurzawski, Michael Biwer, Wolfgang Lücke, Christopher Sparkes, Binu Thomas

V.l.n.r.: Stephan Kurzawski, Michael Biwer, Wolfgang Lücke, Christopher Sparkes, Binu Thomas

Oberste Priorität hat für uns, jene Unternehmen, die nicht mit eigenem Stand auf der Musikmesse 2016 vertreten waren, als Aussteller zurückzugewinnen – im Drums- und Percussion-Bereich, aber selbstverständlich auch aus anderen Sparten. Dafür planen wir unter anderem neue Teilnahmeformate, die eine Präsentation auf der Messe im professionellen Umfeld ohne großen logistischen Aufwand ermöglichen. Wir sind bereits in intensiven Gesprächen mit wichtigen Marken – Key Player der Branche haben ihre Unterstützung für die Weiterentwicklungen ausgesprochen und positive Signale für eine Rückkehr auf die Musikmesse gesendet.

 

Wird das erfolgreiche Drum-Camp-Konzept fortgesetzt und erweitert?

 

Nach dem großen Erfolg bei der Premiere in diesem Jahr möchten wir das Drum-Camp-Konzept konsequent weiterentwickeln und die Musikmesse somit mehr denn je zu einem Pflichttermin für alle Drummer und Schlagzeug-Begeisterten machen. Hierfür sind wir bereits im Gespräch mit Partnern und Künstlern, aber auch mit Marken, die sich im Rahmen des Drum Camps präsentieren möchten. Darüber hinaus gibt es bereits Pläne, ähnliche Konzepte für andere Produktsegmente zu etablieren.

 

Vielen Dank für das Interview! 

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4 Gedanken zu “Exklusive Details: Michael Biwer über die Musikmesse & Prolight + Sound 2017

  • Andreas Nebgen

    Die Messezeit wird also von 9 auf 8 Stunden verkürzt. Das sind 11% Preiserhöhung und weniger Effizienz da ich 5 Stunden Fahrzeit habe. Vermutlich wird das Ticket zusätzlich teurer. Wenn dann Ibanez und Pearl (als Bspl. der großen Vertriebenen) nicht zurückkommen und die meisten Konzerte in der Stadt verteilt sind, was mir auf dem Messegelände nix bringt, dann lohnt es sich nicht mehr.

    • Thomas Neumann

      Hallo,

      ich bewundere Sie, wenn Sie nach 2,5 Stunden Anfahrt noch 9 Stunden Messe konzentriert durcharbeiten können. Mir persönlich reichen die acht Stunden völlig. Gerade diese Jahr flaute die ‘Kontaktbereitschaft’ des Standpersonals in der letzten Stunde ab.
      Als Tip: Einfach mal zwei Tage einplanen, dann kann man die Messe viel besser ‘genießen’ und viel teurer ist die Karte auch nicht.

  • Martin Winkler

    Ich kann Herrn Nebgen nur beipflichten.
    Für mich als B2B-Besucher bringt der eingerichtete B2B-Bereich gar nicht’s; außer einer Erholung für die Ohren (Ist ja auch schon was).
    Spontan ist es nicht möglich Gespräche an den Ständen zu führen, da die Termine anscheinend schon Monate im Voraus vergeben sind.
    Die gesamte Messe ist ein “sehen und gesehen werden”. Neue Geschäftskontakte sind eher nicht möglich. Also Tüten grapschen bzw. Visitenkarten einwerfen und nach der Messe Termine Vorort ausmachen.

    Die Lautstärke ist nicht nur in Halle 8 und 11 eine Zumutung sondern grundsätzlich.
    Ich erinnere mich das wir in den 80ern zur Aufstellung von Schallschutzkabinen zwecks Vorführung unserer Produkte verpflichtet waren. Also: Back to the roots.

    Das Fehlen der Großen (Gibson, Fender, Ibanez, Laney, Orange, Pearl usw. ist bezeichnend.
    Und die Chinesen bleiben auch schon weg (wollen diese doch vor Allem B2B-Kunden ansprechen), eine Öffnung für allgemeine Fachinteressenten an allen Tagen wie in diesem Jahr ist absolut kontraproduktiv.

    Eine Verlegung in den April ist schön gedacht aber nur bedingt Erfolg verheißend.
    Ich für meinen Teil werde die Ausstellerlisten vor der Messe 2017 intensiv studieren und ggf. nicht fahren.
    Ein Tag auf der Messe ist immer ein Tag mit Kosten aber ohne Umsatz.