Export-Statistik: Hat Trumps Handelspolitik Auswirkungen auf den MI-Handel?


Donald Trump möchte mit Strafzöllen auf Importe die Handelsbilanz der USA verbessern. Schaffen die Zölle auch ein neues Gleichgewicht beim internationalen MI-Handel? Oder erhöhen Sie lediglich die Produktionskosten vieler Hersteller? Erst diese Woche verkündete der US-Präsident Trump eine neue Reihe an Industrieprodukten, die von den USA mit erhöhten Einfuhrzöllen belegt werden, darunter auch Gitarrenpedale aus China. Zunehmend wird dadurch die globale Musikindustrie vom Handelskrieg betroffen.

Das Sortiment vieler US-Hersteller ist ein Mix aus importierten, preisgünstigeren Waren und im eigenen Land hergestellten Instrumenten. Fender und Steinway & Sons sind nur zwei Beispiele. Der erste MI-Hersteller droht bereits mit einer Produktionsverlegung von den USA nach Übersee.

Laut Business Insider hat Moog seinen Kunden eine Mail geschickt, in der der Synthesizer-Hersteller im Angesicht der Importsteuer auf chinesische Waren vor drastischen Konsequenzen für das Unternehmen warnt. Eine Steuer von 25 Prozent auf chinesische Importe erhöht die Kosten für die Instrumentenherstellung erheblich, weshalb Moog aktuell über Entlassungen und eine Produktionsverlegung nachdenkt. Moog forderte die Kunden dazu auf, sich bei den Ämtern über Trumps Pläne zu beschweren.

Diese Volkswirtschaften verdienen an Musikinstrumenten

Die Online-Lernplattform für Klavier, Skoove, hat analysiert, wer die Exportweltmeister von Musikinstrumenten sind und somit von den Strafzöllen und der Zuspitzung des Handelskriegs betroffen sind.

 

Deutschland: Exportwert an Tasteninstrumenten weltweit am zweithöchsten

Auf der Weltrangliste der Exporte für Tasteninstrumente belegt Deutschland nach Japan den zweiten Platz: 2017 wurden Klaviere und Co. im Wert von 132 Mio. Euro in andere Länder exportiert. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die deutsche Wirtschaft in dieser Hinsicht einen Anstieg von 15 Prozent erzielen. Demnach stammen 19 Prozent der Exporte von Tasteninstrumenten aus Deutschland. Japan liegt mit einem Exportwert von 249 Mio. Euro auf Platz eins, wobei hier im vergangenen Jahr lediglich zwei Prozent mehr als 2016 erwirtschaftet wurde. Indonesien sichert sich mit 117 Mio. Euro Exportwert den dritten Platz und ist zudem das letzte Land, das diese Musikinstrumente mit einem neunstelligen Wert exportierte.

 

China: Exporte von Blasinstrumente im Wert von 163 Mio. Euro

China verkaufte 2017 Blasinstrumente in Höhe von 163 Mio. Euro in die ganze Welt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dieser Wert einem Anstieg von 4 Prozent. Deutlich weniger Waren dieser Kategorie exportierte Frankreich mit einem Wert von 116 Mio. Euro. Deutschland liegt jedoch nur knapp hinter Frankreich: Dank einem Exportwert von 110 Mio. Euro und einem Anstieg von 6,5 Prozent zum Vorjahr, liegt die deutsche Wirtschaft somit auf dem dritten Platz.

 

China und USA führen Weltrangliste in Kategorie Saiteninstrumente an

China und die USA exportierten im Jahr 2017 weltweit die meisten Saiteninstrumente. Mit einem Exportumsatz von 333 Mio. Euro ist China auch in diese Kategorie führende Exportnation. Die USA liegen mit einem Exportwert von 121 Mio. Euro zwar auf dem zweiten Platz, jedoch wurde im Vergleich zu China mehr als die Hälfte weniger erwirtschaftet. Die Niederlanden folgen den Exportriesen, können mit einem zweistelligen Millionenbetrag (68 Mio. Euro) jedoch nicht anschließen. Deutschland erzielt mit 34 Mio. Euro durch den Export von Saiteninstrumenten den fünften Platz.

 

China führt in drei von vier Kategorien Exportliste an

Im weltweiten Vergleich kann Deutschland auch in der Kategorie “Schlaginstrumente” mit dem dritten Platz punkten: Für 45 Mio. Euro wurden 2017 Schlaginstrumente in andere Länder exportiert. Hier sind die Exportzahlen im Vergleich zu 2016 um sechs Prozent gestiegen. China führt auch hier die Rangliste an: 108 Mio. Euro hat diese Nation durch den Export von Schlaginstrumenten erwirtschaftet. Die USA liegen mit 51 Mio. Euro Exportwert nur knapp vor Deutschland.

“Die Untersuchung zeigt, dass gerade die Nationen, auf die die Strafzölle verhängt werden sollen,  Exportweltmeister von Instrumenten sind. Durch erhöhte Produktionskosten steigen auch die Preise der Musikinstrumente als Endprodukte. In Deutschland besitzen 33 Prozent aller Haushalte ein oder mehrere Musikinstrumente. Damit die Preise nicht unnötig in die Höhe schießen, ist letztendlich entscheidend wie Europa auf Trumps verhängte Strafzölle reagiert. Die heiß diskutierte Digitalsteuer, die in der globalen digitalen Dienstleistungsbranche für Gerechtigkeit sorgen würde, ist nicht nur längst überfällig, sondern auch eine angemessene Antwort auf die Strafzölle von Trump,” kommentiert Florian Plenge, Geschäftsführer und Mitbegründer von Skoove. Die gesamte Analyse finden Sie hier: https://www.skoove.com/blog/de/2018/07/25/export-musikinstrumente-handelskrieg

 

Bereits in den 1960er Jahren hatte es einen Zoll-Streit im Musikinstrumentenhandel gegeben. Japan überflutete damals die internationalen Märkte mit Billig-Klavieren, und -Gitarren, während die Importe nach Japan stark eingeschränkt waren. US-Musikinstrumentenhersteller protestierten vor der International Trade Commission, woraufhin eine neue Gesetzgebung verabschiedet wurde. Japan musste die Handelsbarrieren reduzieren.

Um mit Made in Japan mithalten zu können, bedienten sich die großen Hersteller einfach den Mitteln des Gegners und beauftragen asiatische Firmen mit der Herstellung von Instrumenten, meist Kopien der eigenen Klassiker. Marken wie Squier und Epiphone sind die besten Beispiele dieses wirtschaftlichen Schachzuges, ohne den es den Mutterfirmen Fender und Gibson wahrscheinlich richtig schlecht ergangen wäre.

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