Gerhard A. Meinl: Die Musikbranche kennt keine Competitors, nur Competimates


Am 5. September feierte Gerhard A. Meinl seinen 60. Geburtstag. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Musikinstrumentenhersteller ist der Ansicht, dass die Musikbranche keine “Competitors, sondern nur Competimates” kenne – demnach dominieren in der MI-Branche nicht der harte Wettbewerb, sondern global die Zusammenarbeit, wie innerhalb der Handwerkszünfte einer Stadt. 

Gerhard A. Meinl

Gerhard A. Meinl Rechtsanwalt, Metallblasinstrumentenmacher, langjähriger Firmenchef und Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Musikinstrumentenhersteller wurde 60

 

Biographie

Nach der Gymnasialzeit in Bad Tölz, dem Studium von Jura und Philosophie mit Abschluss der großen II. Juristischen Staatsprüfung in München 1983, der Zulassung zum Rechtsanwalt, machte er doch noch seine Lehre als Metallblasinstrumenten- und Schlagzeugmacher, um dann die Leitung des Familienbetriebes Wenzel Meinl in Geretsried von seinem Vater in der 7. Generation, in Graslitz im Sudetenland 1810 gegründet, zu übernehmen.

1991 nach dem Fall der Mauer sah er dann die Chance, ein Branchenkonzept für Blasinstrumente umzusetzen und erwarb mit einem Beteiligungsunternehmen von der Treuhand den ehemaligen VEB Blechblas und Signalinstrumente (B&S), Markneukirchen-Klingenthal im Vogtland. Er glaubte von Anfang an vor allem an die Fertigkeiten der Mitarbeiter, die über viele Generationen großartige Instrumente herstellten und wusste, dass auch auf die Marken zu setzen war: auf ” B&S”, auf Meister J.Scherzer, dessen Piccolo Trompete zuletzt Maurice Andre spielte, aber auch auf die Hörner unter “Meister Hans Hoyer”, dessen 801er in den Musikschulen in großer Mehrzahl zum Einsatz kam.

Daher nahm er die mühsame Umstrukturierungsarbeit mit 27 Betriebsteilen, 680 Mitarbeitern, davon an die 200 in Kurzarbeit Null, die auf 200 mit Sozialplan für das Kerngeschäft reduziert werden mussten, Aufbau eines internationalen Vertriebs, Modernisierung der Produktion und der Modelle, diverse Rückübertragungsansprüche, einen Neubau, der das Markneukirchner Gewerbegebiet erst wach küsste in Kauf, denn er glaubte an seine Mannschaft und es gelang ihm auch diese für sich zu gewinnen.

Er war auch gleich im Vogtland daheim und engagiert, ob für den Musikwettbewerb, das Museum oder das Klassenmusizieren am örtlichen Gymnasium, ebenso wie er diverse politische Eingaben als Unternehmer vor Ort mittrug und als Vertreter im Deutschen Kulturrat erfreut war, dass der “handwerkliche Musikinstrumentenbau im Vogtland” UNESCO Weltkulturerbe wurde.

Bei alledem war die Zusammenarbeit mit internationalen Musikern sein Thema, denn über diese gelang es auch den Vertrieb international aufzustellen; viele davon besuchten erstmals das Vogtland. Zugleich arbeitete er am Branchenkonzept und noch 1991 folgte der Erwerb von Holzblasinstrumentenunternehmen in Tübingen und Paris, 1994 ein Blechblasinstrumentenhersteller eben in Amboise und 2004 ein Zubehörhersteller und Vertrieb in den USA. Die Gruppe trug verschiedene Namen: von IMM Musik, über TA Musik hin zur JA Musik, bis schließlich die Gruppe 2010 wieder den Namen B&S trug.

2012 veräußerte er sein Unternehmen an die französische Buffet Crampon Gruppe, an der er weiterhin als Gesellschafter maßgeblich beteiligt ist und fungiert dort als Berater und Aufsichtsrat. Mit über 900 Mitarbeitern ist diese Gruppe global agierend der größte europäische Markenhersteller in der Musikbranche mit Produktionsbetrieben in Frankreich, Deutschland, China und den USA.

Der ehemalige Betrieb der Wenzel Meinl ist heute in Geretsried die Werkstätte für Forschung und Entwicklung der ganzen Gruppe, Hersteller von Maß und Sonderanfertigungen für Profis aus aller Welt, beheimatet einen Showroom der Gruppe für die Metropolregion München, so wie die anderen in Paris, New York und Tokio, und ist Sitz des Vertriebs für Deutschland und Österreich.

 

Engagement

Gerhard A. Meinl ist in der ganzen Welt in der Branche bekannt wie ein bunter Hund, nicht nur bei den mit ihm persönlich befreundeten Musikern. Er spricht auch immer davon, dass die Musikbranche keine “Competitors, sondern nur Competimates” kenne – nicht der harte Wettbewerb, sondern auch global die Zusammenarbeit , wie innerhalb der Handwerkszünfte einer Stadt. Er pflegt auch in dieser Welt das Meistersinger – Motto: “Ehrt die Deutschen Meister.”

Meinl ist seit 20 Jahren der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Musikinstrumentenhersteller, sitzt in vielen internationalen Komitees der Branche und ist seit 2013 Präsidiumsmitglied des Deutschen Musikrates in Berlin. Derzeit ist er im Europäischen Musikindustrie Verband CAFIM der Vorsitzende einer Taskforce in Sachen CITES, denn diese internationale Artenschutzabkommen für bestimmte Hölzer bedroht die Hersteller von Musikinstrumenten und deren klanglich relevantes kulturelle Erbe.

Gerhard A. Meinl engagiert sich auch politisch und gesellschaftlich: als Kreisrat in Bad Tölz, seit 1986 ist er im Stadtrat von Geretsried und dient seit 2002 den Bürgermeistern als einer ihrer Stellvertreter, sitzt im Regionalausschuss der IHK. Nach seinen Aussagen hat das auch immer geholfen, verbandspolitisch tätig zu sein.

Gefragt, wie er das alles unter einen Hut bringt, verweist er auf ein geschicktes Time Management, das manchmal einfach erfordert, dass man der Vorsitzende ist und die Termine festlegt. Bleibt da noch Zeit für seine Hobbies – manche meint er, wird er als Ruheständler dereinst wiederaufnehmen, wie das Golfspielen, aber sonst gehört gutes Essen und Trinken eben auch zum Time Management und schöne Musik, Opernbesuche und Konzerte in Wien sind beruflich inklusive.

Seinen Geburtstag feiert er übrigens etwas später an seinem Zweitwohnsitz in Amboise an der Loire in der Touraine mit Essen, Wein und natürlich viel Musik.

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