Jozsi Lak über sein Gitarrenbau-Projekt mit Flüchtlingen


Die Gruppe

Foto: EVELYN STEINWEG

Jozsi Lak ist ein bemerkenswerter und unkonventioneller Instrumentenbauer und Künstler, der eigene Wege geht. Von einem ganz besonderen erzählt er selbst in Gitarre & Bass:

„2015 war ich auf dem besten Weg, in meiner Werkstatt den Überblick zu verlieren und zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass es die beste Methode wäre, mir einen kleinen Abstand zu schaffen. Ich habe eine Ausbildung zum Sozialassistenten, und daher bewarb ich mich in einem Hort für einen Nachmittag in der Woche. Aber daraus wurde nichts.

Man leitete meine Unterlagen weiter an eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, ich wurde eingeladen und das Vorstellungsgespräch führte ein Musikerkollege von mir. Ich bekam zwei Tage Zeit, um mich für oder gegen diesen Job zu entscheiden. Ich entschied mich dafür, und der Kollege wurde dann auch mein Chef für die nächsten neun Monate. Da es sich um eine 3/4- Stelle handelte, musste ich meine Arbeit in der eigenen Werkstatt etwas zurückschrauben.

Als die Einrichtung im Sommer 2016 schloss, führte mein Weg mich in eine kleine Gemeinde namens Weilmünster. Ich hörte von einem Kollegen, dass sie noch jemanden suchen würden, auch in der Flüchtlingsarbeit, aber für 10 Stunden die Woche. Das wäre an sich genau das richtige für mich, dachte ich. Das Thema fand ich schon interessant, insbesondere als ehemals selbst Flüchtender.

Außerdem bekäme ich die Chance, in der Werkstatt etwas umzustrukturieren. Ich stellte mich vor und bekam zum Glück die Stelle. Mein neuer Chef, Andre Pauly, wusste, dass ich der Musik verbunden bin und er machte mir von Anfang an klar, dass dies einer der Gründe ist, warum ich die Stelle bekommen habe.

Nach einer Weile erzählte ich ihm von einer Idee – und er ließ mich machen. In Kooperation mit der Gesamtschule Weilmünster wollte ich mit Schülern Instrumente bauen. Wir starteten mit 14 Schülern, immer in Zweier-Teams, von denen einer Deutsch als Muttersprache hatte, der oder die andere Flüchtling war. Wir wollten gerne viele Punkte in diesem Projekt verbinden: Kreativität, Integration, Team-Arbeit usw.

Nachdem alle zugesagt haben, alle Erlaubnisse erteilt worden sind und wir die Fördermittel von Hessischen Ministerium für Soziales und Integration durch die LAGFA bekommen haben, ging es an die Arbeit.

Ich hatte mir die einzelnen Schritte bereits überlegt und plante auch mit einem festen Ablauf, denn eines der Ziele war es, die Instrumente auf der Frankfurter Musikmesse vorzustellen und das bedeutete, bis Ende März fertig zu werden. Angefangen haben wir nach den Weihnachtsferien. Wir kauften Erle-Rohlinge für die Bodies, fertige Hälse und alle weiteren Bestandteile einer Telecaster-Typ-Gitarre als Basis. Die Schüler durften Veränderungen an dem Material vornehmen wie sie wollten, da habe ich mich wenig eingemischt. Zuerst wurde gezeichnet, anschließend haben sie die Zeichnungen auf die Erle- Rohlinge übertragen und durften diese mit der Stichsäge bearbeiten.

Jozsi Lak baut Gitarre

Foto: EVELYN STEINWEG

Fräsen durften sie auch alle, entlang einer Schablone, die ich vorher anfertigte. Der nächste Schritt war dann das Schleifen. Aus meiner Sicht ist der Schliff ein wichtiger Punkt, der dem Instrument eine eigene Note verleiht. Anschließend kam das Färben bzw. Beizen.

In dem Punkt am besten waren die beiden Mädels unserer Teams, die ungefähr acht Farben übereinander malten, das zum Schluss dann doch nicht gut fanden und anfingen, alles wieder runterzukratzen. Das sah dann im Resultat, sagen wir mal, sehr künstlerisch aus.

Es wurden hier keine Jahrhundertwerke im Instrumentenbau geschaffen, dafür hätte ich viel mehr an einzelnen Details mit den Schülern feilen müssen. Aber das war auch nicht Sinn dieses Projekts: Es ging darum, gemeinsam etwas zu erschaffen, voneinander zu lernen, und dass sich jeder Teilnehmer in kreativer Freiheit ein bisschen austoben kann.

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