Klaus Kirstein über den Wandel der MI-Branche 2


In den letzten 30 Jahren hat sich das Musikhaus Kirstein zu einem der größten Musikhäuser Deutschlands entwickelt. Wir haben Unternehmensgründer Klaus Kirstein zu seinen Erfahrungen in der Musikinstrumenten-Branche befragt.

Klaus Kirstein

Klaus Kirstein hat nie die eigene Stärke aus den Augen verloren: die Fachkompetenz und Leidenschaft für Musik(instrumente)

 

Kirstein vertreibt– u.a. auch die eigenen Produktlinien – über einen Webshop und das Ladengeschäft im oberbayerischen Schongau. In diesem Jahr hat das Kirstein-Team außerdem erstmals mit MusiConnect eine eigene Messe veranstaltet.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, anlässlich Ihres Jubiläums mit MusiConnect eine Messe zu veranstalten?

Die Idee ist entstanden, nachdem einige Hersteller uns darauf aufmerksam gemacht haben, dass es gerade im Raum Südbayern wenig Aktivitäten in diese Richtung gäbe. Wir selbst organisieren seit Jahren Messefahren (Bussfahrten) zur Musikmesse Frankfurt.

Nachdem die Nachfrage zu diesen Fahrten gerade in den letzten 3 Jahren immer weniger wurde, dachten wir, wenn unsere Kunden nicht mehr den weiten Weg nach Frankfurt nehmen möchten, dann versuchen wir einfach mal, die Messe näher zu unseren Kunden zu bringen. Es hat gut funktioniert. Wir freuten uns über mehrere tausend Besucher an diesen 3 Tagen.

 

Wie haben Sie den Wandel der Musikinstrumentenbranche in den letzten 30 Jahren erlebt und welche neuen Herausforderungen sehen Sie auf die Branche hinzukommen?

Wie wir alle wissen, hat das Internet den gesamten Facheinzelhandel revolutioniert. Gerade in den letzten 10-15 Jahre musste die Musikinstrumentenbranche diesen Wandel verstehen und darauf massiv reagieren. Die Entwicklung wird ganz klar auch weiterhin in Richtung Internet weitergehen. Der Fachhandel muss sich darauf einstellen, dass Giganten wie z.B Amazon im MI Bereich noch stärker werden und großes Wachstum planen.

Leider gehen viele unserer Markenhersteller bereits heute den direkten Weg über Amazon. Sollte diese Entwicklung so weitergehen, wird es für den Fachhandel noch schwerer werden, Umsätze und Erträge zu erzielen. Bleibt z.B als Weg, sich noch mehr zu spezialisieren, um Kunden mit tiefem Fachwissen vom Kauf im eigenen Geschäft zu überzeugen.

 

Was kann man in der M­I-Branche verbessern?

Die Musikindustrie ist gefragt, mit klugen Fachhandelskonzepten den Facheinzelhandel zu unterstützen. Kistenschieber und Internetplattformen ohne jegliche Fachberatung sind für unsere Branche, und auch mangels Beratung, für unsere Kunden, schädlich.

 

Stationärer Handel, Online-Shop oder Marktplatz: Welche Vertriebskanäle sind für Ihr Unternehmen am relevantesten? Sehen Sie hier zukünftig Verschiebungen?

Für uns sind alle der genannten Kanäle wichtig. Unsere Verkaufsfläche vor Ort, hat sich in den letzten Jahren genauso wie der Vertrieb über das Internet stetig weiterentwickelt. Natürlich ist das Internet gerade für uns besonders wichtig, da unser Standort Schongau mit gerade mal 13.000 Einwohnern sicher nicht ausreichen würde, um unsere 120 Mitarbeiter zu ernähren.

 

Was ist für Ihr Unternehmen das wichtigste Marketing-Instrument?

Internetmarketing

 

Welche historischen Persönlichkeiten in der Musikwelt haben Sie besonders beeindruckt und warum?

Don Henley und Glen Frey. (Eagles) Solche geschichtsträchtigen Titel wie u.a. Hotel California hörte ich bereits als Kind. Ich finde es erstaunlich, wie diese Band nach so vielen Jahren immer noch dieses Feeling und die Qualität bei den Livekonzerten rüberbringt. Sicher sind in diesem Kontext auch die Stones zu nennen.

 


 

Musikhaus Kirstein in Zahlen

1987 Klaus Kirstein eröffnet Musikladen in der Schongauer Altstadt

1996 Umzug in das Gewerbegebiet Lerchenfeld

2005 Eigenmarken kommen auf den Markt, die auch über den Großhandel abgesetzt werden

2006 Umzug in neugebaute Büros und Geschäftsräume und Bau eines Hochregallagers

2007 Eröffnung des neuen Logistikzentrums

2009 Inbetriebnahme eines großen Zentrallagers mit 10.000 m² Fläche in Altenstadt

2012 Launch des neuen Onlineshops

2015 Ausbau des Firmengebäudes/Erweiterung der Geschäftsräume


 

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2 Gedanken zu “Klaus Kirstein über den Wandel der MI-Branche

  • Robert Bluem

    Ein Kompliment an das Musikhaus Kirstein.
    Es gibt also doch noch Marktteilnehmer, die es trotz der Branchendominanz von Thomann, dicht gefolgt von Amazon geschafft haben, sich etwas von dem Kuchen der Branche zu holen.

    Man muss neidlos anerkennen, daß die in Schongau etwas gut machen.

    Weiter ist das Statement von Kirstein richtig.
    Wie schade, daß viele unserer Hersteller nun direkt an oder über Amazon verkaufen.
    Egal ob Bose, Sennheiser, Shure, Yamaha, Casio, Tama, Pearl, Korg um einige zu nennen. Die Anzahl der Direktverkäufe über Amazon steigt.

    Somit schädigen Hersteller nachhaltig den Fachhandel.
    Amazon ist kein kompetenter Kundenberatender Partner. Das macht der Fachhandel.
    Jedoch kaufen Kunden, wie wir alle wissen jährlich tausende Keyboards, sowie tausende Instrumente, die früher beim Fachhandel verkauft wurden.
    Liebe Hersteller, warum macht ihr das ?
    Yamaha hat ernsthaft in einem Statement seinerzeit gesagt, wie beliefern Amazon mit Yamaha Keyboards im Einsteigerbereich, um dem Fachhandel später Kunden ins Haus zu bringen.
    Hallo ? Wer glaubt dass den ? Ist das nicht unglaublich ?
    Fazit: Liebe Hersteller, wenn Ihr alle eure Produkte, und wir sprechen schon heute über viele Markenhersteller, direkt über Amazon verkaufen wollt, dann wundert euch nicht wenn es zukünftig den Fachhandel nicht mehr, oder nur noch vereinzelt geben wird.

    In diesem Sinn,
    ein Marktteilnehmer

  • Ein anderer Marktteilnehmer

    Ein paar Fragen als Anregung:

    – Warum wird den Herstellern der schwarze Peter zugeschoben, wenn die große Mehrheit der Händler nicht fertig bringt, vor der eigenen Tür zu kehren? Der Hersteller soll den Fachhändler mit Konzepten für deren eigenes Geschäft ausstatten?

    – Warum schimpft man über Hersteller, die auch den direkten Vertriebsweg gehen (was in den USA bspw. seit Jahren mehr als üblich ist) und verkauft selbst über Amazon?