Sound & Recording Studioszene: Ein Zeichen pro Musikmesse


Die Musikmesse 2017 − alle warteten gespannt darauf, wie die einst international wichtigste Messe der Musikwelt in diesem Jahr aussehen würde. Ihr Image hatte in den letzten Jahren stark gelitten. Aussteller blieben aufgrund der hohen Kosten für die Ausstellerfläche fern. Über Produktneuheiten wurde die Branche schon im Januar auf der NAMM informiert.  

Live Demo in der Studioszene

Live Demo Session in der Sound & Recording Studioszene

Die Musikmesse ist engagiert, den Geist der NAMM, wo auf dem Gelände überall Bands und Musiker unter Palmen und in Hotelbars spielen, über den großen Teich zu transportieren. Ihre Idee: das Musikmesse Festival mit Autogrammstunden von Pedro Lombardi und sogenannte »Special Acts«, die in der Stadt verteilt sind. Messebesucher kommen zwar vergünstigt an Tickets, müssen aber dennoch für alle Locations separat Eintritt zahlen.

Frankfurt … eine Bänkerstadt, die nicht wirklich als Musikszene bekannt ist und keinen Künstler-Charme versprüht. Könnte solch ein Festival mit den richtigen Musikern nicht auch auf dem Messegelände stattfinden? Klar, es gibt dort eine Stage, es gibt die Streetfood-Meile, und es gibt die nötige Infratruktur, aber es verläuft sich alles auf dem riesigen Areal.

Und wollen die Besucher überhaupt noch diesen Gigantismus mit Messeständen von mehreren hundert Quadratmetern?

Ist nicht der persönliche Bezug und der direkte Austausch zwischen Hersteller und Konsumenten das, was beide Parteien in Zeiten des Online-Shoppings suchen? Ist es wirklich notwendig, für die wenigen Aussteller, die die Musikmesse noch gewinnt, mehrere Hallen zu belegen?

Warum legt man die Hallen nicht themenübergreifend zusammen, macht die Stände kleiner und schafft so ein familiäreres und persönlicheres Umfeld, was sich sowohl Besucher als auch Aussteller von einer modernen Messe wünschen? Mit dem richtigen Konzept und dem so wichtigen Charme lassen sich vielleicht künftig auch wieder größere Hersteller wie Fender und Gibson als Aussteller gewinnen.

Klar, mit den Drummern möchte niemand zusammen in einer Halle sein, und die Gitarreros sind auch nicht die leisesten. Aber die Zusammenlegung der Recording- und Keys-Halle war für uns in diesem Jahr absolut nachvollziehbar.

Im nächsten Jahr soll die Recording-Halle an die Prolight + Sound angekoppelt werden. Das heißt für uns: fünf Messetage! Damit gehen die Verantwortlichen der Messe auf die Problemstellung ein: Stellen wir auf der Musikmesse oder besser auf der Prolight + Sound aus?

Allerdings fallen mit einem Messetag mehr weitere Kosten beim Aussteller an. Und nach wie vor finden PLS und MM nicht mehr parallel statt. Vielleicht findet die Messe ja auch hier in Zukunft eine Lösung.

Bei all den Diskussionen um die Messe haben wir mit einem eigenen Stand in diesem Jahr ganz klar ein Zeichen »pro Musikmesse« gesetzt. Mit unserer »Studioszene« wollten wir eine Community-Plattform schaffen und den Besuchern dort die Möglichkeit geben, unsere Gäste Peter Walsh, Hans-Martin Buff, Waldemar Vogel und weitere professionelle Producer und Engineers zu treffen, sich mit ihnen austauschen und von ihnen zu lernen.

Wir denken, dass eine solche Hersteller-unabhängige und neutrale Plattform auf der Messe gefehlt hat. Unsere Studioszene entwickelte sich zu einem Knotenpunkt zwischen Ausstellern, unseren Gästen, der Redaktion und den Messebesuchern. Damit konnten wir die Community und das Networking in Halle 9.0 fördern und genau das Umsetzen, was wir als modernes Magazin von einer modernen Messe erwarten.

Die Musikmesse ist auch nur das, was der Aussteller daraus macht!

Schädigt das Fernbleiben als Aussteller nicht auch das Image der eigenen Marke? Es müssen sich allerdings beide Parteien an die eigene Nase fassen. Die Messe muss sich jedenfalls überlegen, ob sie weiterhin am Gigantismus festhält oder lernt, die Mentalität und die Entwicklung der Branche zu verstehen und darauf einzugehen.

Wir sind als Medienpartner der Musikmesse im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mit der Studioszene vertreten, weil wir es wichtig finden, die Musikmesse weiterhin in Deutschland zu haben!

Studioszene-Talk: Hans-Martin Buff, Peter Walsh und Marc Bohn im Gespräch

Autor: Marc Bohn

Chefredakteur Sound & Recording

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